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Kurzbeschreibung

In dem EU-geförderten Comenius-Projekt ELIAS hat sich das Forschungsnetzwerk "Mehrsprachigkeit im Kindergarten" mit verschiedenen Universitäten und Kitas aus dem europäischen Raum (Belgien, England, Schweden) zu einem internationalen Netzwerk zusammengeschlossen. Ziel ist es, über Länder- und Sprachgrenzen hinaus Kitas bei der Einrichtung bilingualer Programme Hilfestellung zu leisten. Ein besonderer Fokus dieser Kooperation liegt neben dem Zweitspracherwerb auch auf der Sensibilisierung der Kinder für interkulturelle Aspekte und Umweltfragen ("Grüne Immersion"). Dazu werden durch teilnehmende Beobachtung die Interaktionen der Kinder mit den ErzieherInnen beobachtet, die in den Kitas die Fremdsprache vermitteln, und der Sprachstand der Kinder ermittelt. Und als ein Novum in der Zoopädagogik wird die bilinguale Zoo-Kita in Magdeburg als erste Kindertageseinrichtung dieser Art weltweit erste Erkenntnisse darüber bringen, wie kleine Kinder in einem spannenden Zooumfeld und in direktem Kontakt mit den Tieren ihr Bewusstsein für die Tierwelt und unsere Umwelt entdecken.

ELIAS wurde am 19. Juni 2010 mit dem Fachtag "Bilinguale Kindergärten: Praxis trifft Forschung" abgeschlossen. Einen Link zur Homepage, auf der alle Projektergebnisse und Materialen des Projekts mit der Laufzeit von 2008-2010 dargestellt werden, finden Sie hier.

In der zweibändigen Buchpublikation sind die Ergebnisse aller ELIAS-Studien sowie viele nützliche Hinweise und Anleitungen zur Guten Praxis in bilingualen Kindergärten zusammengefasst:

Kersten, K., Rohde, A., Schelletter, C., Steinlen, A.K. (eds.). Bilingual Preschools. Vol. I: Learning and Development. Vol II: Best Practices. Trier: WVT.

Detaillierte Projektbeschreibung

Bildungseinrichtungen stehen heutzutage stärker denn je vor der Aufgabe, junge Menschen auf die Anforderungen eines zusammenwachsenden Europas und einer zunehmend globalisierten Welt vorzubereiten. Ihre Aufgabe ist es, solide Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenz und Toleranz und ein wachsendes Bewusstsein für die Umwelt zu vermitteln, die wir alle miteinander teilen. Nur so werden jungen Menschen die nötigen persönlichen und beruflichen Chancen ermöglicht, an einer multilingualen und multikulturellen Gesellschaft teilzuhaben und zu kompetenten europäischen Bürgern heranzuwachsen. Dabei ist es von immenser Bedeutung, Kinder bereits so früh wie möglich, nämlich zu Beginn ihres lebenslangen Lernprozesses, an diese Kompetenzen heranzuführen. Denn in diesem Lebensalter versprechen natürliche Lernstrategien und persönliche Begeisterungsfähigkeit gleichermaßen den größten Lernerfolg. Dies wurde insbesondere für den Fremdsprachenerwerb in zahlreichen Studien erwiesen.

Kindertagesstätten und Schulen sind für europäische Kinder die wichtigsten Quellen der Wissensvermittlung. Insbesondere Kindergärten sind explizit aufgefordert, Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz als Teile ihres Bildungsprogramms zu vermitteln. Jedoch wurde, trotz eines wachsenden Bewusstseins für diese veränderten Anforderungen in der Bevölkerung und diverser politischer Aktionspläne, bis zum jetzigen Zeitpunkt kein einheitliches Programm entwickelt, das diesen Anforderungen entspricht, geschweige denn flächendeckend in europäischen Bildungssystemen implementiert oder hinreichend wissenschaftlich evaluiert. Der Schwerpunkt dieses Projekts liegt aus diesem Grund auf der Evaluation eines Bildungskonzepts, das die Verbesserung und Vertiefung von interkulturellem Bewusstsein, Mehrsprachigkeit sowie naturwissenschaftlicher Kompetenz und Umweltbewusstsein von kleinen Kindern zu Beginn ihres lebenslangen Lernprozesses, nämlich schon im Kindergarten ermöglicht.

Die erfolgreichste frühe Vermittlungsmethode für Kompetenzen dieser Art sind Sprachimmersionsprogramme in bilingualen Kindergärten. Sie stellen die intensivste Form des sogenannten CLIL-basierten Lernens dar, das zu einer innovativen Schwerpunktstrategie in der europäischen Bildungsmethodik erklärt wurde: CLIL (Content and Language Integrated Learning) beschreibt die Vermittlung von Sachinhalten durch eine fremde Sprache. Wie jahrzehntelange sprachwissenschaftliche Forschung gezeigt hat, vermitteln bilinguale Immersionsprogramme sowohl Fachinhalte wie auch fremdsprachliche Kompetenz besser als jede andere Methode. Gleichzeitig bieten bilinguale Kindergärten einen interkulturellen Lernkontext, indem nämlich die Kinder von muttersprachlichen ErzieherInnen betreut werden, die neben der Sprache auch ihre eigenen kulturellen Werte vermitteln. Damit stellen bilinguale Kindergärten den vielversprechendsten und effizientesten Ansatz dar, europäische Kinder auf die Anforderungen einer multikulturellen und multilingualen Gesellschaft vorzubereiten.

Dieses Projekt beinhaltet die wissenschaftliche Begleitung von sieben bilingualen Kindertagesstätten durch eine Forschungskooperation von neun Hochschulen aus vier europäischen Ländern, Deutschland, Belgien, England und Schweden. In allen Kindertagesstätten werden durch intensive Beobachtung und verschiedene Testverfahren die Entwicklung der interkulturellen und fremdsprachlichen Kompetenz der Kinder evaluiert. Eine Besonderheit im Forschungsnetzwerk ist eine der sieben Kindertagestätten, ein innovatives Modellprojekt, das unseres Wissens einzigartig in Europa und der Welt ist: Im bilingualen Zoo-Kindergarten in Magdeburg, in dem die Kinder wöchentlich in bilingualen Einheiten mit Zoo-Tieren und Umweltthemen in Berührung kommen, wird der bilinguale Erwerb von naturwissenschaftlicher Kompetenz und Umweltbewusstsein dokumentiert. In Anlehnung an andere "grüne" Themen wird dieser Schwerpunkt als "Grüne Immersion" bezeichnet.

Neben den wissenschaftlichen Studien werden die Mitarbeiter zu Themen rund um die biliguale Kita geschult, eine Anleitung zur Einrichtung bilingualer Kindergärten erstellt und diverse Materialien für bilinguale Zoo-Einheiten hergestellt. Alle Ergebnisse des Projekts werden auf der Webseite der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf diese Weise erhofft sich das Netzwerk, zur flächendeckenden Verbreitung des Konzepts "Bilingualer Kindergarten" beizutragen und dabei insbesondere die wertvolle und produktive Kooperation zwischen Kitas und außerschulischen Bildungseinrichtungen zu fördern, für die der Magdeburger Zoo und sein innovativer Zoo-Kindergarten Modell stehen.